Pressemitteilung

Knappheit führt zu Preisexplosion im Edelstahl

Noch nie haben wir eine derartige Konstellation auf dem Edelstahlmarkt gesehen. Die Preise sind im ersten Halbjahr explodiert und diesmal liegt es nicht (nur) am Nickel (wie 2007). Die Chrompreise haben seit Anfang Jahr um 35% zugelegt, der Edelstahlschrott um 25% und Nickel gerade mal um 5%. Der Preistreiber sind die Basispreise der Werke, die sich seit Januar quasi verdoppelt haben. Knappheit herrscht, obwohl die Produktionsmengen gegenüber dem zweiten Quartal 2020 um 30% angestiegen sind. Der Einbruch im Vorjahr war, ausser für China, in vergleichbarer Grössenordnung, so dass wir immer noch etwa 10% unter bspw. dem 2019 Niveau liegen dürften. Es benötigt Zeit, bis die Kapazitäten wieder aufgebaut sind und die Logistik wieder funktioniert. Die Zölle der EU schützen vor der asiatischen Konkurrenz; in China sind die Preise seit Anfang Jahr um knapp 15% gestiegen und nicht wie bei uns um 35%. Die Lager sind in Europa nur knapp gefüllt und die Werkslieferzeiten liegen bei 6 bis 8 Monaten. Ein „heisser“ Sommer steht uns bevor; trotzdem wird sich die Lage nach dem Sommer wieder beruhigen, wenn die Lager sich wieder aufbauen und sich die Einkäuferpanik gelegt hat. Allerdings werden dann die Preise in den Nickellegierungen und im Titan anziehen, die dem Edelstahl in der Regel 6 Monate hinterherhinken. Gerade wurde ein grosses Projekt im Öl & Gassektor in den Legierungen 625 und 718 vergeben und das reicht schon, für deutlich längere Lieferzeiten und anziehende Preise. Molybdän (wichtig für die hochlegierten Werkstoffe) hat nur im Mai um 25% zugelegt. CO2 Abgaben, Transport- und Verpackungskosten (Holz) steigen stark. Metall- und Schrottpreise werden hoch bleiben; die Inflation kommt bestimmt.

Kaum ruhiger als auf den Metallmärkten geht es auf den Rennstrecken in Europe zu. Unser Julien Apothéloz wird am Wochenende an der GT World Challenge Europe Endurance in Paul Ricard fahren. Das 1000 km Rennen beginnt am Samstag um 18:00 und kann mit folgendem Link angesehen werden: https://www.youtube.com/user/gt1world

 

Marktbericht

Momentan hat es den Anschein, dass den Märkten die Perspektive und die Dynamik fehlen. Dem ist nur teilweise so. Es tut sich einiges in den Metallmärkten und der Edelstahlindustrie. In der Krise wurde die Produktion heruntergefahren und Kapazitäten wurden abgebaut. Nur China war weniger von der Krise betroffen und hat das Produktionsniveau gehalten. Die Einfuhr von asiatischem Material ist aber durch die Zölle und die tieferen Quoten in Europa stark eingeschränkt. Gleichzeitig ist ein Teil der europäischen Industrie relativ gut ins Jahr gestartet. Ende des letzten Jahres wurden die Lager geleert. Die relevanten Preise für Chrom, Nickel und Molybdän sind in den letzten 6 Monaten zwischen 10 und 30% gestiegen, im Januar zwischen 5 und 10%. Die USD-Nickelnotierung hat ein 3-Jahreshoch erreicht. Die Schrotte sind knapp, da in der Krise einerseits weniger produziert wurde und die Schrottsammlung im „Homeoffice“ nicht die erste Priorität hat. Hinzu kommen fehlende Container, Protektionismus (Indonesien mit Nickelexporten) und schliesslich die steigende Nachfrage. Das Angebot ist weniger elastisch, wir befinden uns im „Schweinezyklus“ der steigenden Preise. Obwohl die Nachfrage möglicherweise nur ein Strohfeuer ist, werden die Preise nicht so schnell wieder fallen, denn die Kapazitäten werden, wenn überhaupt, nur langsam wieder hochgefahren. Es gibt immer wieder ein paar Ausreisser, aber der Trend fürs erste Halbjahr deutet auf weiter steigende Preise für Edelstahl und Sonderlegierungen hin. Es gibt bereits die ersten Anbieter, die einen Schrottzuschlag verlangen. Schrott ist gefragt und folgt dem Trend! Im Titan ist der Effekt noch nicht so ausgeprägt wie im Edelstahl, aber auch hier ist der Titanschrott knapp und den benötigen auch die Stahlwerke. Neue Perspektiven tun sich auf.

 

Price Nickel LME compared tot he scrap price development (1.4301 & 1.4404)

Chart-Source: MBI Metal Source